Einst wurden religiöse Gesetze „in Stein gehauen“, um sie für immer und ewig zu bewahren, um ihren autoritären
Gültigkeitsanspruch auch materiell zu manifestieren. Erwin Lackner gibt seiner Buchskulptur „KOmBI“ das (eherne)
Fundament einer Betonplatte, in die die beiden heiligen Bücher, Bibel und Koran, als ineinander verschränkter Kubus eingesetzt sind. Blatt um Blatt erscheinen die beiden Bücher und damit die christliche und die islamische Glaubenslehre ineinander „verzahnt“ – als Sinnbild einer geschichtlichen, vor allem aber vielleicht auch zukünftigen „Verwandtschaft“ bzw. „Synthese“ beider Religionen. In dieser letztlich doch so schlichten, beinahe minimalistischen „Kombination“ zweier Bücher entsteht eine kraftvolle Symbolik der „Versöhnung“ und Vereinigung, die die historischen und gegenwärtigen Gräueltaten, die die „Vertreter“ der beiden Religionen einander zufügten und bis heute zufügen, im Grunde als völlig unbegreiflich, ja absurd erscheinen lassen. Gerade diese Einfachheit und umso strengere „Logik“, die diese künstlerische Symbolik der Versöhnung ausstrahlt, lässt aber auch die schiere „Unermesslichkeit“ dieser Aufgabe fühlbar werden!

Einem ähnlichen Grundgedanken der Aufhebung des (scheinbar) Trennenden folgt auch „Skin-colored“: Die in
Hautfarben übermalten Bucheinbände sind wiederum zu einem Quader konfiguriert, zusätzlich treffen sich einge-
färbte Blattstränge in diagonaler Kreuzform in dessen Mittelpunkt – gleichsam als Zeichen des Identischen über
alle Unterschiede hinweg. Sich in anderen Menschen jedweder Hautfarbe auch selbst (als Mensch) zu „sehen“, im
Anderen also gleichsam ein „Spiegelbild“ seiner selbst vor sich zu haben, wird durch die kreisförmige Spiegelplatte,
auf die der „Buchquader“ gestellt ist, ebenfalls in beeindruckender symbolischer Klarheit zum Ausdruck gebracht.

Erwin Fiala